Der wahre Staat: Third part: synthesis

Dritter Aufbauender Teil

Third part: synthesis

“Gleichheit unter Gleichen”

“Unterordnung des geistig Niederen unter das geistig Höhere”

— Das sind die Baugesetze des wahren Staates.

“Equality among equals”

“Subordination of the spiritually lower to the spiritually higher”

— These are the structuring principles of the true state.

25. Streitsätze

25. Theses

[1]

Nachdem wir die individualistischen Grundsätze als zum Aufbau der Gesellschaft untauglich in allen bisherigen Untersuchungen verworfen, die universalistischen aber als Wahrheit erkannt haben, und indem wir nun zum aufbauenden Teile unserer Untersuchungen gelangen, entsteht die entscheidende Frage: Welche ist die der universalistischen Auffassung innerlich entsprechende Gesellschafts- und Staatsordnung?

Having rejecting individualistic principles for the construction of society as unsuitable according to all of our investigations up to now, and having recognized the truth of the universalistic, we now arrive at the constructive part of our investigations and face the crucial question: which societal and political order corresponds inwardly with the universalistic idea?

[2]

Wir beantworten diese Frage in folgenden Aufstellungen oder Streitsätzen (Thesen), deren Beweis und Ausführung den späteren Abschnitten obliegen wird. Dazu müssen wir nochmals in begrifflicher Untersuchung zur Begriffsbestimmung des Standes schreiten, um dann endlich zur Behandlung der handgreiflichen Gestaltungen und Maßnahmen zu gelangen. Der Deutlichkeit halber entwickeln wir die Grundzüge der universalistischen Staatsordnung im Gegensatze zur individualistischen, und wiederholen daher zuerst zusammenfassend die uns schon bekannten kennzeichnenden Grundzüge der naturrechtlichindividualistischen Ordnung. Die Grundzüge dieser individualistischen Ordnung sind folgende:

We will answer this question in the following statements or propositions (theses), with their evidence and explication to be presented in the later sections. For that to happen, we must proceed again in our conceptual analysis to the definition of the corporation, and then finally arrive at an understanding of the rough form and measure of the universalistic political order. For the sake of clarity we will develop the essentials of the universalistic political order in contrast to the individualistic, and thus first reiterate what we have already established by summarizing the characteristic features of the individualistic natural-law regime. The basic features of this individualistic order are the following:

[3]

1. Sie ist atomistisch; d. h. a) Jedes Mitglied des Staates und der Gesellschaft ist dem anderen gegenüber gleichartig und gleichwichtig (homogen und äquivollent — Grundsatz der Gleichheit); b) das eigentliche geistig wesentliche Leben jedes Einzelnen spielt sich als selbsterzeugtes in sich selbst ab, er ist im letzten Grunde geistig isoliert und autark.

1. It is atomistic; that is to say a) each member of the state and of the society is in relation to all others alike in nature and importance (homogenous and equivalent — the principle of equality); b) the real spiritual essential life of every individual functions as self-begotten in itself; he is, in the last analysis, spiritually isolated and independent.

[4]

2. Der Staatsaufbau ist daher notwendig zentralistisch und unmittelbar. Denn wegen der Gleichheit der einzelnen Bürger gibt es notwendig nur Eine Staatsgewalt, zu der jeder Bürger in einem unvermittelten (unmittelbaren) Verhältnis steht; der Grundsatz der Gleichheit verlangt, daß alle Bürger zu derselben Regierung in Beziehung treten, und dies verlangt wieder die Unmittelbarkeit der Beziehung. Wir haben diese Tatsachen durch den oft wiederholten Satz bezeichnet: “Ein Volk, Eine Regierung.”

2. The state structure is therefore necessarily centralistic and unmediated. Due to the principle of the equality of individual citizens there is necessarily only one state authority, which stands in an immediate and unceremonious relation to every citizen; the principle of equality demands that all citizens move in step with the government, and again this requires an immediacy of relationship. We have often heard this idea repeated in the phrase, “One people, one government.”

[5]

Im Gegensatze hierzu steht die universalistische Auffassung. Diese verlangt, wenn sie wirklich zu Ende gedacht wird, nicht den Kommunismus (den wir vielmehr als versteckten Atomismus und utopische Wirtschaftsform kennen lernten); sondern einen Gesellschaftsbau, der die Ungleichheit genau der Natur der Sache gemäß zur Entfaltung bringt und so geistig wie wirtschaftlich das Baugesetz der Gerechtigkeit zur Geltung bringt: “Jedem das Seine.” Diese aus der Natur der Sache geschöpfte Ungleichheit verwirklicht sich in folgenden Grundsätzen als in den Baugesetzen der Gesellschaft:

In opposition to this stands the universalistic point of view. This requires, if it is really thought through, not communism (which we are much more acquainted with as a concealed atomism and a utopian economic system), but a social structure that in its unfolding is fully in accordance with the inequality of the nature of things, and likewise brings into reality the structuring principle of spiritual and economic justice: “to each his own.” This inequality, created in accordance with the nature of things, is actualized in the following principles as in the structuring principles of society:

[6]

1. Organische Ungleichheit statt atomistischer Gleichheit der Teile; d. h.: a) Ungleichartigkeit der Bestandteile der Gesellschaft, aber b) gleiche Wichtigkeit (Äquivalenz) für die Erreichung des Zieles. Es ist die Eigenschaft des Organismus, daß bei einer bestimmten Gesamtleistung (z. B. bestimmtem Gesundheitsgrad, bestimmtem Wohlbefinden) die Leistungen aller Teile zwar von ungleicher Beschaffenheit, aber gleich wichtig sind. Diese Gleichwichtigkeit ist aber nur möglich durch gegenseitige Abgestimmtheit, Entsprechung, abgestimmte Ungleichheit. (Organische oder bauliche Ungleichheit oder Grundsatz der Entsprechung des Ungleichen); c) die Gleichwichtigkeit bedeutet wieder leistungsmäßige Gleichheit.

1. Organic inequality rather than atomistic equality of parts; in other words, a) heterogeneity of the components of society, but b) equal importance (equivalence) for the attainment of ends. It is in the character of the organism that for it to maintain a specific total capacity (for example, a certain level of health or wellness), the performance of its individual parts will be of unequal character but equal importance. This organic equivalence is only possible through inter-coordinated and analogically harmonious inequality. (Organic or structural inequality or the principle of inter-coordinated inequality); c) organic equivalence again signifies equality in relation to the performance of the organism.

[7]

2. Hierarchische oder rangordnungsmäßige Wertverschiedenheit, kürzer gesagt, wertmäßige Ungleichheit der Teile. (Der Heilige ist wertvoller als der Sünder: Grundsatz der wertmäßigen oder absoluten Ungleichheit.)

2. Hierarchical or rightly ordered differences in worth, or more briefly stated, the value-based inequality of parts. (The saint is more valuable than the sinner: principle of value-based or absolute inequality.)

[8]

3. Die Teile der Gesellschaft bestehen nicht in getrennten (alleinstehenden), einzelnen Menschen, sondern lediglich aus Gemeinschaften selbst, in denen erst die Einzelnen durch Eingliederung Existenz haben. Ferner: Die Grundeigenschaft dieser Gemeinschaften ist: Teile eines geistigen Gesamtganzen zu sein, und das heißt wieder: als Teil-Ganze ständische Eigenschaft zu erlangen. Damit ergibt sich a) das Baugesetz der ständischen Gliederung statt der zentralistischen Einheit; b) das Baugesetz der Mittelbarkeit statt der Unmittelbarkeit, und c) die Organisiertheit der Teile statt ihrer mechanistischen und atomistischen Isoliertheit.

3. The parts of society do not consist of separate, isolated individuals, but of communities in which the individual exists primarily through incorporation. Further: the basic feature of these communities is that they belong to a spiritual totality and must have corporative features to maintain the part/whole relationship. This results in a) the structuring principle of corporate organization as opposed to the centralistic unity; b) the structuring principle of mediation as opposed to immediacy, and c) an emphasis on the organization of parts rather than on their mechanistic and atomistic isolation.

[9]

Erläuterung, Beweis und Ausführung wird später folgen. Hier möge noch ein allgemeiner Bescheid über den Unterschied von Organismus und Staat bei universalistischer Auffassung der Gesellschaft vorausgeschickt werden, um den Irrtum zu beseitigen, als sei die Anwendung des Organismusbegriffes auf die Gesellschaft ernsthaft möglich, da so viele universalistisch gerichtete Bestrebungen sich schlechthin als “organische Auffassung” zu bezeichnen pflegen.

Explanation, evidence and explication will follow later. Here we may put forward a more general statement about the distinction between organism and state in the case of the universalistic concept of society, in order to eliminate the error of thinking that the direct application of the organism-concept to society is seriously possible, given that many efforts aiming at universalism label themselves unambiguously as the “organic view.”

[10]

Erläuternder Zusatz über den Unterschied zwischen Organismus und Gesellschaft. Es genügt nicht, der atomistischen Auffassung eine “organische” gegenüberzustellen, um die Mechanität des Individualismus zu überwinden, denn der Organismus selbst ist wieder nur eine Mittelstufe zwischen Mechanismus und Gesellschaft (Staat). Die Gesellschaft ist eine noch übermechanischere Erscheinung als der Organismus — weil sie geistiger ist als er!

Explanatory supplement about the difference between the organism and society. To overcome the mechanicalness of individualism it does not suffice to place an “organic” view of society in opposition to the atomistic view, since the organism itself represents only an intermediate stage between mechanism and society (or state). Society is an even more mechanical phenomenon than the organism — because it is more spiritual!

[11]

Im Organismus möchte ich, wie schon oben, Punkt 1, geschah, unterscheiden. 1. Die planmäßige Ungleichheit der Teile. Planmäßig heißt dabei abgestimmt, gegenseitig entsprechend (korrelativ, korrespondierend). So sind Herz und Lunge, Magen und Darm aufeinander abgestimmt. Diese Gegenseitigkeit ist eine Überwindung des Atomischen und daher Mechanistischen, damit aber der rein physikalischen Natur des Organischen. Sie ist das eigentlich “Organische” am lebenden Körper, sie begründet auch die “organische Ungleicheit” in seinen Teilen. Dieselbe Eigenschaft der organischen Ungleichheit hat die Gesellschaft, auf ihre morphologisch-anatomischen Bestandteile hin betrachtet, z. B. indem Publikum gegen Künstler, Laie gegen Priester, Krieger gegen Bürger, Unternehmer gegen Arbeiter, Landwirtschaft gegen Gewerbe steht.

I would like to distinguish in the organism what I have already noted above in point 1:

1. The ordered inequality of parts. “Ordered” means to be aligned in mutual accordance (correlative, corresponding). In this way the heart and lungs, or stomach and intestines, are aligned with each other. This reciprocity represents an overcoming of the atomistic, and thus the mechanistic, through the purely physical nature of the organic. It is what is actually “organic” in the living body that facilitates the “organic inequality” of its parts. Society possesses the same property of organic inequality regarding its morphological-anatomical components, as in the relationship between the public and the artist, the layman and the cleric, the soldier and the civilian, the industrialist and the worker, or agriculture and industry.

[12]

2. Diese entsprechungsmäßige, korrelative “organische” Ungleichheit ist dennoch verbunden mit Gleichwichtigkeit aller Organe — allerdings nur bei bestimmtem Leistungsstande. Die “Organe” sind ihrem Begriffe nach Leistungseinheiten. Das Herz pumpt das Blut zum Umtrieb, die Lunge besorgt die Auffrischung durch Atmung usw. Dieses Zusammenspiel, dieses Gebäude der Leistungen hat die Grundeigenschaft, in jeder Grenzwirkung (Wirkung der letzten Aufwendung eines Organs, z. B. des letzten Lungenbläschens) gleich wichtig zu sein, wenn ein ganz bestimmter Stand der Gesamtleistung ins Auge gefaßt wird. Denn für einen bestimmten Grad von “Gesundheit,” von “Wohlbefinden,” “Frische” oder dgl. ist nicht nur nötig, daß das Herz, die Lunge, das Zentralnervensystem und ähnliche absolut lebenswichtige Organe (Leistungseinheiten) vollkommen das ihrige leisten (“funktionieren”), sondern auch, daß die kleinste Muskelgruppe, das kleinste Glied mit vollkommenen Leistungen auftritt und hinzukommt. Das letzte Lungenbläschen, der letzte Herzmuskel und der letzte Muskel des kleinen Fingers sind alle unentbehrlich gerade für diesen bestimmten Grad von Gesundheit und Wohlbefinden. Geht man aber auf einen geringeren Leistungsstand herab, z. B. überhaupt nur “Erhaltung der Arbeitsfähigkeit” oder gar nur “Fortkommen mit dem Leben,” so sind die Organarten natürlich nicht gleich wichtig, da der kleine Finger, einige Lungenbläschen usw. wohl dafür entbehrt werden können, nicht aber das Herz oder einige Zentren des Großhirns. Bei dem neuen, nunmehr angenommenen Gesamtstande der “Gesundheit” aber (d. h. aller Leistungen), erweisen sich die Beiträge aller Organe wieder als gleich wichtig. Dieselbe Eigenschaft der Gleichwichtigkeit aller Beteiligten hat die Gesellschaft, sofern sie als Gebäude von Leistungen betrachtet wird. Auch hier muß für einen bestimmten Stand des Gesamtlebens der letzte (schwächste) Arbeiter, der letzte Krieger, der letzte Priester, der letzte Beamte seinen Beitrag leisten, sonst würde jener Lebenstand leiden — diese Beiträge sind daher gleich wichtig mit denen der führenden Wirtschafter, Staatsmänner, Kirchenfürsten, Künstler, natürlich nur: an diesem Gesamtstande gemessen.

2. This corresponding, correlative “organic” inequality is nevertheless bound to the equality of importance (or organic equivalence) of all organs — even if only in regard to the achievement of designated performance levels. The organs are, conceptually, units of power. The heart pumps the blood to the active area, the lungs supply replenishment through breathing, and so forth. It is characteristic of this cooperation, this edifice of performance, that each impact limit (the impact of the last expenditure of an organ, such as impact of the last pulmonary alveolus) is of equal importance, if a specific level of combined output is envisaged. Since for a specific level of “health,” of “wellness,” “freshness” or the like, it is not only necessary that the heart, the lungs, the central nervous system and such absolutely vital organs (or units of power) perform perfectly, but also that the smallest group of muscles or the most insignificant body parts likewise play their roles with perfection. The last pulmonary alveolus, the last heart muscle, and the last muscle of the small finger, are all indispensable exactly for this particular level of health and wellness. However, for the maintenance of a lesser level of performance, such as “conservation of working capacity,” or even simply “advancement of life,” it is obvious that not all organ types are equally important, since in such a case the small finger, a few pulmonary alveoli, and so forth, can certainly be lacking, but not the heart or any cerebral centre. If we henceforth assume a total condition of “health,” however (or the achievement of all performance capabilities), we again see the contributions of all organs as equally important. The society possesses the same quality of the equal importance of all its parts, provided it is viewed as an edifice of performance. Also in this case, to achieve a certain state of life in the aggregate, the last (feeblest) worker, the last warrior, the last priest, the last civil servant must provide his contribution, otherwise this state of existence would suffer. Their contributions are therefore as important as those of the leading managers, statesmen, cardinals, and artists — when, of course, measured in relation to the aggregate.

[13]

3. Was dem Organismus nicht zukommt, ist dagegen die Geistigkeit und das heißt die innere Werteigenschaft jedes Gliedes, jedes Bestandteiles. Blut, Nahrung, Knochen mögen je etwas anderes sein (ungleich), an sich sind sie weder wertvoll noch wertlos, so wie Luft gegen Stein weder Wert noch Unwert darstellen. Anders die Glieder der Gesellschaft: Arbeiter, Unternehmer, Priester, Laien, Künstler, Zuhörer, König, Bürger, Trinker, Nüchterne, Begeisterte, Stumpfe — alle sind sie in ihrer Geistigkeit etwas mit einem ganz eigenen und nur ihnen zukommenden Werte. Dieses Wertsein mag verschieden eingeschätzt werden, ja nachdem der Schätzende Christ oder Heide, fromm oder gottlos, gut oder böse ist — aber jeder muß einschätzen. Das Geistige hat also als notwendigste, unabweislichste Existenzform die Werteigenschaft in sich. In dieser Werteigenschaft ist jeder Bestandteil der Gesellschaft ungleich-wichtig, denn er ist nicht Bestandteil eines Leistungsgebäudes, sondern Wertteil eines Wertganzen, z. B.: Heilig oder verbrecherisch auf der Leiter des Sittlichen, wahr oder falsch auf der Leiter des Wahren. Wir werden unten S. 198 f. noch auseinandersetzen wie es zur geistigen Welt d. h. zur Wertwelt, zum Wertkosmos gehört, daß Niederes und Höheres im Gegensatz zueinander da seien. Hier genüge es, diese Ungleichheit als polare, absolute oder Wertungleichheit von der bloß baulich-organischen Ungleichheit zu unterscheiden. Die Wertgleichheit ergibt die Schichtbarkeit der Gesellschaft nach Werten und mit dem Zwang zur Wertung auch den Zwang zur Wertschichtung der gesellschaftlichen Elemente. Die Gesellschaft ist als Wertganzes ein wahrhaft intelligibles Wesen, der Wertteil ein intelligibler, apriorischer Beitrag zur Ganzheit.

3. What does not belong to the organism, however, is the spirituality or inner worth of each member, each unit. Blood, nourishment, and bones may all be dissimilar (unequal), but inherently they are neither valuable nor worthless, just as air against stone possesses neither worth nor worthlessness. Different are the limbs of society: workers and businessmen, priests and laity, artists and audiences, the king and the citizenry, drinkers and sober people, the enthusiastic and the dull — all are in their spirituality something entirely their own, befitting value. Such value may be assessed differently by the Christian or Pagan, the pious or the godless, the good or the evil — but all must value. The spiritual has therefore intrinsic value as the most necessary and unrefusable form of existence. Each constituent part of society is unequal in importance in terms of value, since we are not considering parts of a power structure but portions of a totality of value, such as holy or criminal on the ladder of morality, or true or false on the ladder of truth. On page 198 and following we will examine how lower and higher exist in opposition to each other in the world of spirit, or the world of values, the value-cosmos. Here it is enough to distinguish this polar inequality, this absolute or value inequality, from mere structural-organic inequality. Value inequality results in the stratifiability of society according to value, and with the enforcement of this valuation comes the enforcement of the stratification of social elements according to value. The society as a value-totality is a truly intelligible being, with the value-member being an intelligible, a priori contribution to the totality.

[14]

Der Organismus kann nach dem Obigen bezeichnet werden als ein Übermechanismus, die Gesellschaft als ein Überorganismus.

According to the above, the organism may be referred to as a super-mechanism, and society as a super-organism.

[15]

Wir kehren von dieser kurzen Vorbetrachtung wieder zu unserer Untersuchung zurück.

We turn back from this short preliminary consideration again to our examination.

[16]

26. Die innere Gleichartigkeit der Gemeinschaft

Indem wir uns von der kritischen Betrachtung des politischen Ideengehaltes unserer Zeit und von der Betrachtung des Abbruches der Gesellschaft zu ihrem Neuaufbau wenden, müssen wir an die soziologische Grundbesinnung des Anfangs, an die Lehre von der Gemeinschaft anknüpfen. Wir haben uns früher genau klar gemacht, worin das Wesen der Gemeinschaft bestehe: Es ist der geistige Austausch, das darin gelegene Überindividuelle, was das eigentlich Fruchtbare und Wesenhafte in unserem Leben ausmacht, was unserem Leben die Gesellschaftlichkeit als wesenhafte Grundform einprägt.

26. The inner homogeneity of the community

As we turn from the critical consideration of the political idea-content of our time, and from the consideration of the destruction of society to its reconstruction, we must establish at the beginning a fundamental sociological awareness of the theory of the community. Earlier we made it precisely clear wherein the nature of the community persists. It is the spiritual intercommunion located in the supra-individual that constitutes the fruitful and essential in our being, and that impresses sociality upon our being as an essential basic form.

[17]

Da ergibt sich nun die weitere konkretere Frage, die uns jetzt beschäftigen soll: Zwischen wem ist Gemeinschaft (Gezweiung) möglich? Die Antwort lautet: Zwischen Gleichgearteten; und zwar nicht zwischen vollkommen Gleichen, sondern zwischen Gleichgearteten, die sich in irgend einem Sinne ergänzen, die also noch Gegensätzlichkeit zwischen sich haben. Gemeinschaft bildet sich durch Verschiedenheit in der Gleichheit. Heißt doch Freundschaft vor allem: Einander etwas geben, etwas sein, was nicht möglich wäre, wenn jeder ohnehin vollkommen das besäße, was der andere hat. Demgemäß sehen wir ja auch, wie gerade die wesentlichsten Gemeinschaftsverhältnisse auf gegenseitige Ergänzung angelegt sind: Mutter und Kind, Lehrer und Schüler, Künstler und Genießender, Priester und Laie, Forscher und Schule. Immer wird man finden, daß die Gemeinschaft in einem wesentlichen Sinne ergänzende Gemeinschaft für die Teilnehmer ist, ergänzend auf Grund engerer oder weiterer Gleichheit. Die Einsicht, daß jeweilige Gleichheit, Gleichartigkeit die Vorbedingung für die Bildung geistiger Gemeinschaft sei, ist eine Grundwahrheit der Gesellschaftslehre, eine Grundeinsicht, ohne die ein tieferes Urteil über gesellschaftliche Dinge meistens gar nicht möglich ist. Ich möchte die genannte Erscheinung das Gesetz der inneren Gleichartigkeit oder Homogenität der Gemeinschaften nennen.

There arises an additional, more concrete question that we should now engage with: between whom is spiritual community (Gezweiung) possible? The answer is clear: between like natures; and not between absolute equals, but rather between natures that are in some sense complimentary, and that therefore still possess contrariness. Community forms itself through difference in equality. That means friendship is above everything else: each to each, something is given, and something exists that is not possible when each person already has full possession of what every other person owns. Thus, we also see precisely how the most essential community relationships are based upon complementarity: mother and child, teacher and pupil, artist and audience, priest and layman, researcher and school. One will always find that the community is in an essential sense a complimentary community for its members, by way of lesser or greater equality. The insight that relative equality and similarity are the precondition for the development of spiritual community is a fundamental truth of social theory, a foundational insight without which a deeper assessment of social things is largely impossible. I would like to name this phenomenon the law of inner similarity or homogeneity of communities.

[18]

Aus diesem Gesetz folgt eine weitere Grundeinsicht. Wenn Gemeinschaft nur auf Grund gewisser geistiger Gleichartigkeit möglich ist, so sind lebendige, bildende Gemeinschaften stets klein. Denn es können immer nur wenige Menschen sein, die einander gleichen, die sich innig ineinanderfügen und dabei noch eine für die Gemeinschaftsbildung fruchtbare Verschiedenheit mitbringen. Ich möchte diese Erscheinung das Gesetz der Kleinheit der Gemeinschaften nennen. Das Gesetz der Kleinheit der Gemeinschaften folgt unmittelbar aus der Grundtatsache der Gleichgeartetheit der Gemeinschafter.

From this law follows another fundamental insight. If community is only possible on the basis of a certain spiritual homogeneity, then vital and formative communities most always be small. For there can always be a few people who are similar to each other, who are intimately connected to each other, and yet still bring along with them a diversity that is fruitful for community building. I would like to name this phenomenon the law of the smallness of communities. The law of the smallness of communities follows immediately from the elementary fact of the inner homogeneity of communities.

[19]

Besteht aber ein Gesetz der Kleinheit der Gemeinschaften, so muß zunächst jede Gesellschaft im Hinblick auf ihren Aufbau aus geistigen Gemeinschaften ein Bild maßloser Zerklüftung bieten! Und in der Tat, sehen wir uns in unserer Erfahrung um, so finden wir die seltsamste Trennung und Zersplitterung der Gemeinschaften und damit auch der Menschen, die ihnen angehören. In der einen Stube eines Gasthofes tagen vielleicht die Freidenker, in der anderen die katholischen Gesellenvereine; in der einen die Impfgegner, in der anderen die Ärtze, die Impfzwang fordern; hier die Konservativen, dort die radikalen Liberalen und Demokraten; hier die Pazifisten, dort imperialistische Nationalisten; hier die Neu-Malthusianer, die den Geschlechtsverkehr als rein hygienische Frage und Privatsache auffassen, dort der religiöse Sittlichkeitsverein; hier die Spiritisten, dort die Materialisten; hier die Vegetarianer, dort der (fleischfressende) Athletenklub; hier die Schmetterlingssammler mit ihrer Freude am Kleinen, dort die Parteiführer mit ihren in die Ferne schauenden Blicken; hier die offene Volksversammlung, dort die Freimaurerloge auf ihren geheimbündlerischen Pfaden; hier der Stammtisch des Sparvereins, dort die alles vergeudende Spielergesellschaft; hier die Künstler, dort die Banausen — alle diese Kreise sind sich gegenseitig nicht etwa feindlich, nein mehr, sie sind einander fremd! Was aber noch viel mehr wundernimmt, diese Unbekanntheit scheint zu wachsen, je näher sich die betreffenden Gruppen stehen. Das Künstler und Philister einander nicht verstehen, nimmt nicht wunder, was soll man aber dazu sagen, daß der Klub der Kubisten und der Futuristen, der Impressionisten und Expressionisten, der Mottensammler und der Tagfaltersammler, daß die Gruppe der Richard-Strauß-Verehrer und der Schönberg-Verehrer einander schon gar nicht mehr verstehen! Einander innerlich kaum kennen, ja verachten! Alle diese kleinen Gemeinschaften sind einander fremd, wie vom Monde heruntergekommen.

However, if a law of the smallness of communities exists, it means that every society must display, with regard to its construction from spiritual communities, an image comprised of measureless fissures! And in fact, we see in our experience the strangest disconnection and fragmentation of communities and the people associated with them. In one room of the inn sits perhaps the freethinkers, in the other the Catholic journeyman’s association; in one the anti-vaccination fanatics, in the other the doctors calling for compulsory vaccination; here the conservatives, and there the radical liberals and democrats; here the pacifists, and there the imperialistic nationalists; here the new Malthusians (who understand sexual intercourse as a purely private matter that only raises questions of hygiene), and there the religious morality association; here the Spiritists, and there the materialists; here the vegetarians, and there the (carnivorous) athlete’s club; here the butterfly collectors with their joy in the small, and there the party leaders gazing into the distance; here the open public meeting, there the masonic lodge with its secret social pathways; here the table of the savings club, there the party of dissipated gamblers; here the artists, there the philistines — generally speaking, these circles are more alien to each other than they are antagonistic. What is much more astonishing is that the closer the groups in question stand, the more this lack of recognition seems to grow. It is not surprising that the artist and the philistine do not comprehend each other, but how do we account for the fact that the clubs of cubists and of futurists, of impressionists and of expressionists, of moth collectors and of butterfly collectors, of Richard Strauss admirers and of Schoenberg admirers, have no better understanding of each other! Inwardly, they barely know, let alone despise, each other. Each of these small communities sees the other as alien, as if they had just arrived from the moon.

[. . .]

Advertisements